In den letzten fünf Jahren haben Computeralgebrasysteme verstärkt Einzug in die Leistungskurse Mathematik in der Sekundarstufe II des Gymnasiums und der Gesamtschule gehalten. Hierbei sind bereits viele Erfahrungen in Unterricht und Prüfungen gesammelt worden. Bedingt durch die Tatsache, dass die führenden Hersteller von Schul-Taschenrechnern preisgünstige Taschencomputer mit integriertem Computeralgebrasystem (CAS) anbieten und darüber hinaus auch auf Schulrechnern CAS häufig bereits installiert sind, wendet man den Blick jetzt immer stärker auch auf die Sekundarstufe I. Hierbei gilt es sowohl die Lehrer aus- und weiterzubilden als auch auszuloten, wie sich Mathematikunterricht in der Sekundarstufe I mit Einsatz von CAS ändern muss. In den beiden Beiträgen von Wilhelm Weiskirch und Andreas Sorgatz werden hier erste Informationen zu neuen Entwicklungen aufgezeigt.
CAS in Niedersachsen - die Entwicklung
Vor 10 Jahren begann in Niedersachsen mit einer Tagung in Lingen ein
Prozess zur Veränderung des Mathematikunterrichts. Neben einer
stärkeren Fokussierung auf problemorientierte Aufgabenstellungen
sind die 1998 vom Kultusministerium herausgegebenen Empfehlungen für
den Mathematikunterricht am Gymnasium Meilensteine dieses
Prozesses. Die grundlegenden Ideen sind dann in die seit dem letzten
Schuljahr gültigen neuen Richtlinien für den Sekundarbereich I
eingeflossen. Dort ist als Mindestanforderung an die den
Mathematikunterricht begleitende Technologie der grafikfähige
Taschenrechner (GTR) ab Klasse 7 festgeschrieben. Darüber hinaus ist es
den Schulen freigestellt, auch einen höherwertigen algebrafähigen
Taschencomputer einzusetzen. Sowohl in den Schuljahrgängen 7 und 8
als auch in den Schuljahrgängen 9 und 10 sollen die Schülerinnen
und Schüler in je einer längeren Sequenz mit dynamischer
Geometriesoftware (DGS) und mit einer Tabellenkalkulation arbeiten, in
den Schuljahrgängen 9 und 10 darüber hinaus auch mit einem
Computeralgebrasystem. Diese Anforderungen sind sinnvoll entweder
mit den vorhandenen Computerräumen und entsprechenden
Klassensätzen an CAS-fähigen Rechnern zu bewältigen oder aber
mit der Einführung eines entsprechenden CAS-Rechners für alle
Schüler. Zu diesem Schritt haben sich bislang schon etwa 20% der
Gymnasien in Niedersachsen entschieden. Die Problematik liegt hier
darin, dass zwar viele Materialien für einen GTR-Einsatz im
Sekundarbereich I entwickelt wurden, durchaus Materialien für
einzelne Themenkomplexe in verschiedenen Klassenstufen und erprobt
wurden, es aber kein durchgängiges didaktisches und methodisches
Gesamtkonzept für den vollintegrierten Einsatz im Sekundarbereich I
ab der Klasse 7 gibt.
Der Schulversuch
Um die Unterrichtsqualität bei einem vollintegrierten Einsatz von
Technologie zu stärken, hat man sich im niedersächsischen
Kultusministerium dazu entschlossen einen wissenschaftlich begleiteten
Schulversuch zu initiieren. Den Start des Projektes bildet eine im
Februar 2005 beginnende halbjährige Vorbereitungsphase, um sich
einerseits intensiv mit unterschiedlichen methodischen Konzepten und
andererseits mit den in der Wissenschaft derzeit praktizierten
Evaluationsformen vertraut zu machen.
Die Durchführung des Versuches beginnt im Schuljahrgang 2005/06. Es starten sechs Gymnasien, die alle CAS-Rechner in Klasse 7 bereits eingeführt haben. Drei der beteiligten Mathematik-Lehrkräfte jeder Schule übernehmen die Koordination an der Schule und betreuen die Entwicklung und Dokumentation des Unterrichts.
Das Projekt wird wissenschaftlich von Frau Prof. Dr. Bruder von der Universität Darmstadt betreut. Es finden in Zusammenarbeit mit ihr jährlich drei bis vier mehrtägige Fachtagungen für die koordinierenden Lehrkräfte statt, die sowohl dem Austausch, der methodisch-didaktischen Planung, der Evaluation der erarbeiteten Unterrichtseinheiten als auch der Fortbildung dienen. In mitwirkender und beratender Funktion sowie als Multiplikatoren in den nachfolgenden Jahren verstärken Fachleiter von Studienseminaren das Team.
Die Lehrerteams betreuen den in den Schulversuch integrierten Jahrgang vier Jahre bis zur Klasse 10. Eine Evaluation der erarbeiteten Konzepte und Materialien wird jeweils in den folgenden Jahren durch den nachfolgenden Jahrgang der beteiligten Schulen sowie zusätzlich durch die Einbeziehung weiterer Gymnasien durchgeführt. Zeitgleich werden die Arbeitspapiere ins Internet gestellt. Nach Einarbeitung dieser Evaluationsergebnisse wird nach zwei Jahren ein didaktisches Konzept für die Klasse 7, dann für die folgenden Jahrgänge vorliegen.
Bei der Erarbeitung des Konzeptes sind u. A. die Aspekte zu diskutieren:
Ferner sind die folgenden Prioritäten für die Arbeit gesetzt: