Computeralgebra: 02. - 04.06.2005, Kassel
Nach dem großen Erfolg der Computeralgebra-Tagung, welche im Mai 2003 in Kassel stattfand, wird die Fachgruppe im Juni 2005 wieder eine derartige Tagung in Kassel durchführen.
Die wissenschaftliche Tagung musste wegen einer gleichzeitig stattfindenen internationalen Tagung (Joint meeting of AMS, DMV, öMG, Mainz) leider verlegt werden. Sie findet nun vom 02. - 04. Juni 2005 statt. Wie beim letzten Mal ist der Donnerstag als Anreisetag gedacht, die Tagung beginnt nach dem Mittagessen und endet am frühen Samstagnachmittag.
Die
Fachgruppenleitung beschloss, auf dieser Tagung zum ersten Mal
einen Nachwuchspreis für den besten Vortrag eines
Nachwuchswissenschaftlers zu vergeben, der mit 500
dotiert
sein wird. Es wird ebenfalls wieder einige Übersichtsvorträge über
relevante Gebiete der Computeralgebra geben. Ferner ist geplant,
auf der Tagung in Kassel eine Mitgliederversammlung der Fachgruppe
abzuhalten. Die Tagung bietet wieder die einmalige Gelegenheit, in
gut 2 Tagen eine Vielzahl von Forschungsgebieten der
Computeralgebra zu beleuchten, und junge Forscher haben die
Möglichkeit, ihre Forschung vor einem großen fachkompetenten
Publikum zu präsentieren. Wir rechnen daher wieder mit einer
zahlreichen Beteiligung.
Computeralgebra in Lehre, Ausbildung und Weiterbildung IV:
Konsequenzen aus PISA
13. - 16.04.2004, Haus Schönenberg bei
Ellwangen
Vom 13. bis zum 16. April 2004 fand im Haus Schönenberg bei Ellwangen/Baden-Württemberg die vierte Tagung Computeralgebra in Lehre, Ausbildung und Weiterbildung statt. Diese Tagungen werden von der Fachgruppe Computeralgebra in zweijährigem Turnus veranstaltet; die letzten Tagungen waren 1998 und 2000 in Thurnau und 2002 in Schöntal. Die Tagung wollte insbesondere Konsequenzen aus PISA nachgehen. 36 Kolleginnen und Kollegen (ein Kollege aus Österreich, die anderen aus Deutschland) nahmen an der Tagung teil, die in bewährter Weise vom Sprecher der Fachgruppe, Herrn Koepf, Universität Kassel, organisiert worden war. Wie bei dieser Tagungsreihe üblich kamen Vertreter von Fachmathematik, Fachdidaktik, Schule, Studienseminaren und Schulverwaltung. Die Tagung wurde von unseren Sponsoren Sciface Software (MuPad), Scientific Computers (Maple), Casio und Texas Instruments unterstützt. Einige Vertreter dieser Firmen nahmen auch an der Tagung teil und informierten über den aktuellen Stand bezüglich Computeralgebra bei ihren Firmen.
Zur Tagung ist ein Tagungsband mit den meisten Vorträgen erschienen. über die Internetadresse http://www.fachgruppe-computeralgebra.de/CLAW sind Programm, Teilnehmerliste (zum Teil mit Zugang zu den Vortragsmanuskripten) und weitere Informationen, auch zu den früheren Tagungen, zugänglich.
Burkhard Alpers, Fachhochschule Aalen: Die mathematische Mikrowelt
Formel 1 - Lernangebot und Nutzen in der
Schüler-Ingenieur-Akademie (SIA).
Der Autor hat auf der Basis von Maple eine mathematische
Arbeitsmikrowelt Formel 1 entwickelt, die seit einigen Jahren in der
Schüler-Ingenieur-Akademie in Heidenheim/Baden-Württemberg
eingesetzt wird. Dort lernen Schülerinnen und Schüler aus
der 11. und 12. Klasse die Arbeitswelt eines Ingenieurs kennen.
Manfred Bauch, Universität Bayreuth: Bildungsstandards und
dynamische Mathematik.
Anknüpfend an die KMK-Bildungsstandards wurde ein Konzept für
neue Rollen für Schüler und Lehrer entwickelt. Dieses wurde in der Schule mit Hilfe von Lernumgebungen, die unter Einsatz des dynamischen Geometrieprogramms Geonext, entwickelt wurden, konkretisiert.
Klaus Dürrschnabel, Fachhochschule Karlsruhe: Mathematik an der
Schnittstelle Schule/Hochschule - Aktivitäten in
Baden-Württemberg.
Nach einem Überblick über die Bildungswege in Baden-Württemberg
wurde die Übergangsproblematik von der Schule zur Hochschule
dargestellt. Ein Problem ist, dass die Hochschule die Veränderungen
in der Schule nach TIMSS, PISA und SINUS-Projekt nicht registriert
hat. Als Konsequenz gibt es heute in Baden-Württemberg
Arbeitsgruppen mit Vertretern aus Schule und Hochschule.
Hans-Gert Gräbe, Universität Leipzig: Variablenbegriff und
Funktionsbegriff im symbolischen Rechnen.
Ausgangspunkt war die Frage, welchen Beitrag zur mathematischen
Allgemeinbildung Computeralgebrasysteme haben können. Die Frage
nach der eigenständigen Bedeutung einer Beschäftigung mit
computeralgebraischen Themen wurde an der Frage nach einem guten
Programmierstil festgemacht.
Hans-Wolfgang Henn, Universität Dortmund: CAS in der
Lehrerausbildung: Wunsch und Wirklichkeit.
Zunächst wurde über die Umfrage der Fachgruppe zum
Computereinsatz an deutschen Hochschulen berichtet
(vgl. Computeralgebra-Rundbrief Nr. 34, März 2004, S. 23-24).
Anschließend wurde die Problematik der Lehrerausbildung
diskutiert und am Beispiel der derzeitigen Neufassung der
Gymnasiallehrer-Ausbildung an der Universität Dortmund
konkretisiert.
Heiko Knechtel, Schulleiter, Stadthagen: Mathematikunterricht mit CAS - Schnittstellenvereinbarung und
Zentralabitur in Niedersachsen.
In Niedersachen werden ab 2006 zentrale Abiturprüfungen mit der
Integration von Computeralgebra-Systemen eingeführt. Die
geforderten mathematischen Inhalte sollen so gewählt werden, dass
die
übergangsproblematik Schule/Hochschule verringert wird. Hierzu wurde vor knapp zwei Jahren eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Schule und Universität gebildet.
Robert Kragler, Fachhochschule Ravensburg-Weingarten: Animation
mathematischer Sachverhalte mit Mathematica.
Es wurde der Einsatz von Mathematica zur Visualisierung und Animation
zu verschiedenen Themen der Vorlesungen des Autors diskutiert, und es
wurden viele Beispiele vorgeführt. Die Materialien sind über die
Internetadresse des Autors zugänglich:
http://www.fh-weingarten.de/~kragler/public.
Hubert Langlotz, Wolfgang Moldenhauer, Wilfried Zappe, Thüringer
Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien, Bad
Berka: 5 Jahre CAS in Thüringen - Erfahrungen und Ausblick.
Mit den zum Schuljahr 1999/2000 eingeführten neuen Lehrplänen
wurde auch ein umfangreicher Schulversuch mit dem Einsatz eines
CAS-Taschenrechners begonnen, an dem bis heute 22 Schulen
teilnehmen. Es wurde über die Erfahrungen aus diesem Schulversuch
und die ersten Konsequenzen berichtet.
Eberhard Lehmann, Fachseminarleiter für Mathematik i. R., Berlin:
Lineare Gleichungssysteme auf Bestellung - Bericht über eine Demonstrationsstunde auf einer Lehrerfortbildung.
Es wurde über eine Doppelstunde im Leistungskurs Lineare Algebra des
Autors berichtet, an dem im Rahmen einer Lehrerfortbildung die
Mathematiklehrer einer anderen Schule anwesend waren und den
Unterricht verfolgten. Die den Schülerinnen und Schülern gestellte
Aufgabe war, viele lineare Gleichungssysteme mit ganzzahligen
Koeffizienten und mit vorgeschriebener Lösungsmenge unter Verwendung
des TI-92 zu erzeugen.
Detlef Lind, Universität Wuppertal: Informationen zu PISA.
Als Mitglied der deutschen PISA-Expertengruppe gab der Autor einen
überblick über die Mathematiktests von PISA2000 und stellte einige
Ergebnisse dieser Studie vor. Neu waren insbesondere Ergebnisse zum
Zusammenhang zwischen Mathematikleistung und Computernutzung. Der
Vortrag diente als Input-Referat für die anschließende
Diskussion über PISA.
Reinhard Oldenburg, Felix-Klein-Gymnasium, Experimentierlabor XLAB,
Göttingen: CAS-Kompetenz - Was ist das?
Im Zusammenhang mit der derzeitigen Kompetenz-Diskussion untersuchte
der Autor, was eine CAS-Kompetenz sein könnte. Hierzu
sammelte er, gestützt auf eine von ihm durchgeführte Untersuchung
von Schülern der 13. Klasse, Komponenten einer CAS-Kompetenz und
beschrieb Probleme bei der CAS-Nutzung. Als neue Möglichkeit stellte
der Autor das von ihm entwickelte CAS-gestützte Geometrieprogramm
FeliX vor.
Heinz Schumann, Pädagogische Hochschule Weingarten:
Einfache algebraische Kurven in dynamischer Behandlung.
Der Autor stellte für algebraische Kurven die simultane geometrische
Behandlung als Ortskurve und die algebraische Behandlung als
Nullstellenmenge eines Polynoms vor. Verwendet wurden das dynamische
Geometrieprogramm Cabri II und das CAS Derive.
Karel Tschacher, Universität Erlangen-Nürnberg: Wird mit dem
Classpad 300 alles besser?
Der vor kurzem vorgestellte CAS-Taschenrechner Classpad 300 von Casio weist einige Neuerungen auf. Der Autor stellte die Eigenschaften und Möglichkeiten des Rechners vor und diskutierte, inwieweit der Rechner Anforderungen aus Schülersicht und Lehrersicht gerecht wird.
Wilhelm Werner, Fachhochschule Heilbronn / Universität Heidelberg:
Einfluss von CAS auf die Mathematikausbildung an
Fachhochschulen.
Der Autor berichtete über den Einsatz von Computeralgebra an den
Fachhochschulen in Baden-Württemberg. Einsatzmöglichkeiten in den
verschiedenen Veranstaltungen, die Akzeptanz bei Studierenden und
Professoren und mögliche Gegenargumente für den CAS-Einsatz wurden
diskutiert.
Otto Wurnig, Universität Graz: Neue Modelle zur Leistungsbeurteilung im CAS-integrierten Mathematikunterricht - Erfahrungen und erste Resultate aus den CA-Projekten in österreich. österreich hat in Europa die längsten und breitesten Erfahrungen mit dem CAS-Einsatz in der Schule. Es wurde über Erfahrungen bei Klassenarbeiten mit dem CAS-Rechner berichtet. Aufgrund dieser Erfahrungen wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die verschiedene Modelle der Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung für einen CAS-gestützten Unterricht entwickelt und testet.
An zwei der Vorträge schlossen sich Diskussionsrunden an. Nach dem Vortrag von Herrn Lind wurde zum Thema PISA diskutiert, wobei Herr Lind als Experte viele Fragen zu beantworten hatte. Nach dem Vortrag von Herrn Henn wurde die Problematik der Lehrerausbildung ausführlich und durchaus kontrovers diskutiert. Ausgangspunkt war das von Herrn Henn vorgestellte, in Dortmund entwickelte Modell für die Gymnasiallehrerausbildung. Einigkeit bestand darin, dass für einen sinnvollen Computereinsatz in der Schule als notwendige Voraussetzung die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Computers in der Ausbildung an der Hochschule stattfinden muss. Dies kann nur erwartet werden, wenn es die Ausbildungsordnungen verbindlich vorsehen.
Meinem persönlichen Eindruck nach, der von vielen anderen Teilnehmern bestätigt wurde, war es wieder eine sehr lohnende Tagung. Neben den informativen Vorträgen und Diskussionsrunden waren es die persönlichen Kontakte und Gespräche, die die Tagung erfolgreich gemacht haben.
Die angenehme Atmosphäre im Haus Schönenberg mit der guten Verpflegung trugen auch zum Tagungserfolg bei. Die Diskussionen des Tages wurden beim abendlichen Ausklang im Weinkeller fortgeführt. Vor dem traditionsgemäßen Ausflug am Donnerstagnachmittag, der uns dieses Mal nach Rothenburg ob der Tauber führte, wurden wir von einem der Patres vom Schönenberg durch die berühmte Wallfahrtskirche des Voralberger Barockbaumeisters Michael Thumb geführt.
Wenn Sie sich einen visuellen Eindruck von der Tagung machen wollen, so schauen Sie sich die vielen Fotos an, die auf der oben angegebenen Internetadresse der Fachgruppe zugänglich sind! Sie sind herzlich eingeladen, an der nächsten Tagung Computeralgebra in Lehre, Ausbildung und Weiterbildung in zwei Jahren teilzunehmen!